ORFS steht für O-Ring Face Seal und bezeichnet eine Verschraubungsart, bei der die Abdichtung nicht über das Gewinde, sondern über einen plangepressten O-Ring an der Stirnfläche erfolgt. Diese Bauform gilt nach dem internationalen Standard SAE J1453 als eine der zuverlässigsten Lösungen für leckagefreie Verbindungen in Hydraulik- und zunehmend auch in Druckluftsystemen. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie ORFS-Verschraubungen aufgebaut sind, wo die Unterschiede zu JIC- und ORB-Fittings liegen, welche Gewindegrößen üblich sind und worauf Sie bei der Auswahl und Montage achten sollten.

Was bedeutet ORFS?

ORFS ist die englische Abkürzung für O-Ring Face Seal, auf Deutsch sinngemäß „O-Ring-Stirnflächendichtung“. Der Name beschreibt bereits das Funktionsprinzip: Ein O-Ring sitzt in einer Nut auf der Stirnfläche der männlichen Verschraubungshälfte. Beim Verschrauben mit der Überwurfmutter wird dieser O-Ring gegen die plane Gegenfläche der weiblichen Hälfte gepresst und erzeugt so eine elastomere, vollflächige Dichtung. Genormt ist diese Bauart unter anderem in SAE J1453 und ISO 8434-3.

Im deutschsprachigen Raum wird häufig auch der Begriff „Stirnflächendichtung“ oder „O-Ring-Stirnabdichtung“ verwendet, gerade weil die englische Abkürzung ORFS sich vor allem bei Maschinen und Komponenten aus dem US-amerikanischen Raum durchgesetzt hat.

Aufbau und Funktionsweise einer ORFS-Verschraubung

Eine ORFS-Verschraubung besteht im Wesentlichen aus drei Elementen:

  • Außengewinde mit Stirnfläche und O-Ring-Nut – meist ein UNF- bzw. UN-Feingewinde nach Unified Thread Standard (UTS) mit einem Gewindewinkel von 60°
  • O-Ring – üblicherweise aus Buna-N (NBR) oder Viton (FKM), Härtegrad 90 Shore A
  • Überwurfmutter mit Innengewinde, die beide Teile gegeneinander zieht und so den O-Ring komprimiert

Anders als bei klassischen Schneidring- oder Konusverschraubungen entsteht die Dichtwirkung nicht durch das Gewinde selbst, sondern ausschließlich durch den komprimierten O-Ring zwischen den beiden planen Flächen. Das Gewinde übernimmt lediglich die mechanische Verspannung. Dieses Prinzip macht ORFS-Verbindungen besonders unempfindlich gegenüber Vibrationen, da sich die Dichtwirkung auch bei minimalen Bewegungen nicht löst.

ORFS-Gewindegrößen im Überblick

Die Nenngröße einer ORFS-Verschraubung wird als „Dash Size“ angegeben und entspricht dem Außendurchmesser in Sechzehntel-Zoll-Schritten. Eine Verschraubung der Größe „-9″ hat demnach einen Außendurchmesser von 9/16 Zoll bei 18 Gewindegängen pro Zoll (UNF 9/16″-18). Gängige Größen reichen typischerweise von 9/16″ bis 2″ Außendurchmesser, je nach Anwendungsfall und Nenndruckbereich.

ORFS im Vergleich zu JIC und ORB

Wer sich mit Verschraubungen für Druckluft- oder Hydraulikleitungen beschäftigt, stößt neben ORFS häufig auf zwei weitere verbreitete Bauarten – JIC (37°-Konus) und ORB (O-Ring Boss). Der zentrale Unterschied liegt jeweils im Dichtprinzip:

Bauart Dichtprinzip Eigenschaft
ORFS O-Ring auf planer Stirnfläche sehr hohe Dichtsicherheit, vibrationsbeständig, wiederverwendbar
JIC (37°) Metallisch dichtender Konus bewährt, aber empfindlicher gegenüber Überdrehen und Vibration
ORB O-Ring im Gewindekegel des Anschlussstutzens kompakte Bauform, dichtet im Bauteil-Innengewinde

ORFS-Verschraubungen gelten gegenüber JIC-Fittings als deutlich toleranter beim Anziehdrehmoment: Eine Überdrehung um bis zu 200 % führt in der Regel noch nicht zu einer undichten Verbindung. Zusätzlich lässt sich der O-Ring bei Bedarf einfach austauschen, wodurch sich die Verschraubung mehrfach wiederverwenden lässt – ein klarer Vorteil bei Wartung und Instandhaltung.

Einsatzbereiche: Hydraulik und Druckluft

ORFS-Verschraubungen kommen ursprünglich aus der Hydraulik, wo sie in mobilen Arbeitsmaschinen, Baumaschinen, Land- und Forsttechnik sowie im allgemeinen Maschinenbau zum Einsatz kommen – überall dort, wo hohe Drücke und Vibrationen zusammentreffen. Da das Dichtprinzip unabhängig vom Medium funktioniert, eignet sich die Bauform ebenso für Druckluftleitungen, insbesondere in Bereichen mit erhöhten mechanischen Anforderungen, etwa bei Druckluftversorgungen für Fahrzeuge, in der Apparatetechnik oder bei kompakten Kälteanlagen. Begrenzender Faktor ist in beiden Fällen die Temperaturbeständigkeit des verwendeten O-Ring-Materials – bei sehr hohen Betriebstemperaturen sollte die Materialeignung daher vorab geprüft werden.

Vorteile von ORFS-Verschraubungen auf einen Blick

  • Hohe Dichtsicherheit auch bei intensiver Vibrationsbelastung
  • Großzügige Toleranz gegenüber Überdrehmoment
  • O-Ring austauschbar – Verschraubung mehrfach wiederverwendbar
  • Breites Größen- und Materialspektrum (Stahl, vernickelter Stahl, Edelstahl)
  • Kompatibel zu Komponenten gängiger Hersteller wie Parker, Eaton Aeroquip oder Gates

Worauf Sie bei Montage und Auswahl achten sollten

Damit eine ORFS-Verschraubung zuverlässig dichtet, sollte der O-Ring vor der Montage auf Beschädigungen geprüft und korrekt in der Nut platziert werden – ein sogenannter „O-Ring-Fallout“ während der Montage ist eine häufige Fehlerquelle für spätere Undichtigkeiten. Zudem ist auf das passende O-Ring-Material (Buna-N für Standardanwendungen, Viton für höhere Temperaturen oder aggressivere Medien) sowie auf das korrekte Anziehdrehmoment laut Herstellerangabe zu achten, um Gewindeschäden durch Überdrehung zu vermeiden.

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Häufige Fragen zu ORFS-Verschraubungen (FAQ)

Was bedeutet ORFS bei Verschraubungen? ORFS steht für O-Ring Face Seal und beschreibt eine Verschraubungsart, bei der ein O-Ring auf der Stirnfläche des Fittings die Abdichtung übernimmt, anstatt über das Gewinde abzudichten.

Wofür wird ORFS verwendet? ORFS-Verschraubungen werden vor allem in Hydrauliksystemen mobiler Arbeitsmaschinen sowie in Druckluftanwendungen mit hohen Vibrations- und Druckanforderungen eingesetzt.

Was ist der Unterschied zwischen ORFS und JIC? JIC dichtet über einen 37°-Konus metallisch, ORFS dagegen über einen O-Ring auf einer planen Stirnfläche. ORFS gilt dadurch als toleranter gegenüber Vibration und Überdrehmoment.

Welche Gewindegrößen gibt es bei ORFS? Die Größe wird in Sechzehntel-Zoll-Schritten als „Dash Size“ angegeben, zum Beispiel „-9″ für ein UNF 9/16″-18-Gewinde. Üblich sind Größen von 9/16″ bis 2″.

Ist der O-Ring bei ORFS-Verschraubungen austauschbar? Ja, der O-Ring lässt sich bei Bedarf separat ersetzen, wodurch sich die Verschraubung mehrfach wiederverwenden lässt.

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